Ikea PS: neue Produkte für mehr Nachhaltigkeit


Am Freitag fand in der Galerie Rose, in Hamburg, eine Vernissage zu IKEA's neuer PS Kollektion statt. Insgesamt 71 Stücke wurden von 20 internationalen IKEA-Designern entworfen, die laut IKEA's Presseinformationen "über den Tellerand blicken und gewohnte Denkbahnen bei Produktentwicklung und Fertigung verlassen". Nachdem schon einige Previews im Internet kursierten und für Aufsehen sorgten, bin ich mit hohen Erwartungen zu dieser Vernissage gegangen. Teilweise wurden diese hohe Erwartungen erfüllt, aber teilweise wurde ich von IKEA enttäuscht. Gerade im Bezug auf Nachhaltigkeit habe ich mir von IKEA etwas mehr erhofft.  

Ein nicht (ganz) perfektes Unternehmen

  Im Pressekitt zu dieser Kollektion präsentiert sich IKEA sehr nüchtern und ehrlich als "nicht perfektes Unternehmen":  "Wir sind ein Unternehmen, das nicht perfekt ist. Wir glauben immer noch, dass einige unserer Produkte zu teuer sind. Wir  haben immer noch nicht alle überall erreicht, die ein schöneres Leben zuhause verdient haben. Wir haben es noch nicht geschafft, ein gänzlich nachhaltiges Möbelsortiment zu entwickeln."   IKEA setzt sich damit hohe Ziele, allen Menschen ein schöneres Zuhause zu bieten und ein gänzlich nachhaltiges Sortiment zu entwickeln. Allen Menschen wird IKEA nie gerecht werden. Ihre Standardkollektionen sind auf jeden Fall ein guter Weg den Durchschnittskunden etwas zu bieten, dass man selten in dieser Preisklasse erhält. Doch die Design Kollektion IKEA PS ist da etwas ganz anderes. IKEA präsentiert sie ihren Kunden als Kollektion, welches schönes Design und sehr niedrige Preise mit sparsamem Umgang mit Ressourcen verbindet. IKEA war bisher nicht besonders bekannt für ihre Verantwortung gegenüber Menschen und Umwelt. Das wollen sie mit dieser Kollektion ändern. Ich denke vor allem durch die Auswahl natürlicher und recyclebarer Materialien wie Holz, Papier, Bambus, Bast und Seegras ist ihnen dies gelungen. Die Optik dieser Produkte soll dies widerspiegeln damit dem Kunden der Blick für einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen geschärft wird. Das Produkt IKEA PS BRUSE ist hier ein gutes Beispiel. Der aus lackiertem Buchenfurnier gefertigte Couchtisch erinnert an eine solide Holzbank. Ein Stück Holz, wie es in natürlicher Form vorkommen würde. Durch die Verwendung grober Reste aus der Bretter-Produktion für die Seiten blieb dem Beistelltisch ein Stück Natürlichkeit erhalten.  

Nachhaltigkeit heißt Dauerhaftigkeit und Zeitlosigkeit

  Auf der anderen Seite - denke ich - haben sie den zweiten Aspekt von Nachhaltigkeit nicht besonders gut realisiert. Nachhaltigkeit heißt in meinen Augen auch, dass man ein dauerhaft nutzbares, immer wieder gern gesehenes Möbelstück entwirft. Hier wirkt für mich  IKEA's PS Kollektion etwas zu extravagant. Ich verbinde ein nachhaltiges Möbelstück mit klarem reduzierten Design und besonders hochwertiger Verarbeitung. Teilweise wurde bei der Materialauswahl darauf geachtet, wie bei der Bank PS AUGUST, wo Kiefernholz mit pflegeleichtem weißem Leder kombiniert wurde oder besonders die mundgeblasenen Glasprodukte BUNKE und KÄLLA überzeugen mich.   Auf der anderen Seite ist ein Esstisch wie KVARNSTEN mit einem Loch in der Mitte etwas gewöhnungsbedürftig. Oder die Idee den Hocker HÄLLAR als Berg wie auf einer 3D-Karte zu gestalten ist eine gute Idee, dennoch die Umsetzung in den verschiedenen Blautönen könnte etwas zu speziell sein und der Käufer könnte sich nach einiger Zeit "satt" daran sehen. Die Nachhaltigkeit, im Sinne von Umweltbewusstsein wurde gekonnt mit Materialien wie Bananenstaudenfaser und Seegras umgesetzt aber im Sinne von ewig "genießbar" leider nicht.

Qualitätsansprüche

  Das Produkt, das am meisten Aufsehen erregt, ist wohl der Sessel SELMA. Hier fand ich die Idee wieder sehr gut, die Polsterkissen mit verschiedenen Motiven zu bedrucken und so zum umblättern zu gestalten als wäre der "Lese-Sessel" selbst ein Buch. Auch das klare Design des Sessels selbst gefällt mir gut. Aber der Preis von € 299 würde mich von einem Kauf abschrecken. Für diesen Preis finde ich den Sessel nicht gut genug verarbeitet. Das hochwertige Leder wird durch die bunt bedruckten Bezüge nicht mehr beachtet und die Konstruktion des Sessels ist nicht gerade sehr ausgefallen. Das Design gefällt mir gut, dennoch ist er meiner Meinung nach nicht € 299 wert. Auch das Design der Lampe SVARVA ist etwas gewöhnungsbedürftig. Die verstellbare Konstruktion ist ein sehr gelungener Gedanke, dennoch ist das Aussehen durch die einzelnen blasenförmigen Elemente etwas unruhig und wirkt so für mich weniger ästhetisch.    

Meine Highlights

  Zu meinem persönlichen Highlight dieser PS Kollektion zählt für mich die Decke STICKA. Sie erinnert mich stark an eine Decke, die mir als Andenken aus Indien mitgebracht wurde. Das Stickmuster, welches sich über die gesamte Decke erstreckt ist simpel aber besonders dekorativ.   Auch sehr hervor zu heben ist das Bettgestell VERANDA (Bild ganz oben) . Die niedrige Konstruktion, sowie die Farbwahl ist mit grau/schwarz sehr gelungen. Der Preis mit € 599 überrascht vielleicht, dennoch ist er für das Bettgestell inklusive Federkernmatraze und Lattenrost nicht zu hoch gegriffen. Die Bank RASKEN ist für mich ein solides Produkt, welches durch die schrägstehenden Beine intelligent verfeinert wurde. Und auch der Schubladenschrank SINKA ist besonders gut gelungen. Selten findet man einen Schrank mit 16 verschieden großen Schubladen. Dadurch wirkt der Schrank verspielt aber trotzdem sehr funktionell.   Als Stuhlliebhaber konnte ich mich mit den gebotenen Produkten SPIKA oder SLINGRA nicht besonders anfreunden. Da hat IKEA ebenfalls innerhalb der Reihe PS vor 3 Jahren mit dem Stuhl ELLAN einen sehr viel innovativeren und "schöneren" Stuhl ins Sortiment aufgenommen.  

Ein Fazit

  Als Fazit kann ich sagen, dass IKEA mit ihrer Design-Kollektion interessante und außergewöhnliche Produkte entwickelt haben. Ihr Ziel nachhaltige Möbelstücke und Accessoires zu produzieren wurde teilweise erreicht. Doch um besonders hochwertige Produkte zu erreichen, die anhaltend zufrieden stellen und sich als zeitlos präsentieren, sind Möbel zum "selbst Aufbauen" vielleicht nicht die Richtigen.    Autor: Markus Reuter www.roitsch.info  

 

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