Neue Klassiker und "modische" Vorbilder


    Alte Klassiker, moderne Klassiker. Wir Deutschen brauchen gelegentlich das Etikett, um den Überblick zu behalten, einsortieren und vor allem abgrenzen zu können. Nur - was ist eigentlich ein moderner Klassiker? Ein Blick ins Wikipedia gibt vorübergehend Auskunft. Modern heißt zeitgemäß der „Mode“ folgend und etwas Klassisches ist etwas Zeitloses, das gerne als Vorbild genommen wird. Also ein modisches und trotzdem zeitloses Vorbild der Neuzeit sozusagen.     Ein Produkt als modernen Klassiker zu bezeichnen, ist derzeit trendy. Leider. Jede zweite Pressemitteilung verspricht mit ihrem Produkt einen solchen Klassiker geschaffen zu haben. Ach so, und „sustainable“ ist das Produkt dann auch noch gleich. Weil das Zeitgeist ist. Und natürlich möchte man etwas Dauerhaftes und Nachhaltiges als Vorbild schaffen, das über viele Jahre (wirtschaftlichen) Erfolg verspricht. Das ist Marketing.    Also können wir dann auch von der Inflation von modernen Klassikern sprechen. Die Zeitschrift „Schöner Wohnen“ will uns dann gleich die Suche nach modernen Klassikern erleichtern und gibt eine Liste der 150 neuen Klassiker heraus. Das adelt.     Bei der Veranstaltung der Firma Dornbracht in Iserlohn Ende Mai ging es in der Podiumsdiskussion ebenfalls um moderne Klassiker. Und da hatte nun jeder der an der Diskussion beteiligten Menschen ein anderes (Welt)bild. Beteiligt waren neben Designer Stefan Diez, der Journalistin und Autorin Sophie Lovell, die Designer Dieter und Michael Sieger, sowie Professorin Gerda Breuer, Künstler Thomas Rehberger und Mike Meiré. Einig wurden sich die Beteiligten in ihren Definitionen kaum.        Und eigentlich stand ja nun auch aus Sicht von Dornbracht die Armatur Tara im Vordergrund, die vor kurzem so unauffällig wie eben möglich in ihrer Formensprache verfeinert wurde, um nichts zu gefährden, was ihren Erfolg über Jahre ausmachte. Und sie wurde ergänzt um eine Black- und eine White Edition, um sie im Zeitgeist aktuell zu halten.     Der Designer Dieter Sieger gab zum Besten, dass das Unternehmen Dornbracht damals vor fast 20 Jahren seine ersten Entwürfe gar nicht haben wollte. Das kam erst gut 3 Jahre später und 1992 kam das Produkt dann auch endlich auf den Markt. Es hat also gedauert und war ein hartes Stück Arbeit. Bis heute. Und man merkt den im engsten Kreis Beteiligten von Andreas Dornbracht über Dieter Sieger bis zu Mike Meiré ihre besondere emotionale Beziehung zu diesem Produkt einfach an.   Und vielleicht ist es am Ende genau das, was manche wenige Produkte von anderen Produkten unterscheidet. Eben nicht nur die zeitlose und perfekte schöne Form. Eben ganz sicher nicht nur das Marketing-Etikett auf einer Liste oder in einer Pressemeldung. Nicht das, was draufsteht ist wichtig, sondern das, was drin ist...   Foto: Jesse Frohman